Quoc D. tötete Imbiss-Betreiberin in Rathenow – Prozess jetzt fortgesetzt
Mit mehreren Messerstichen wurde die Betreiberin des vietnamesischen Imbisses an der Mittelstraße in Rathenow im Juni 2025 getötet. Schon zehn Stunden später wurde der jetzt angeklagte Ex-Ehemann Quoc D. festgenommen. Ein Mann aus dem familiären Umfeld brach das Schweigen.
Zuletzt mehrten sich Zweifel an der Geschichte, die der geständige Angeklagte vor dem Landgericht Potsdam bei Prozessauftakt erzählt hatte. Angeblich hatte er im Imbiss geholfen, ihn auch selbst geführt, während die Getötete in Vietnam war – aber keiner der zahlreichen Rathenower Polizeibeamten, die dort immer wieder Essen holten, ehe sie dort am 25. Juni 2025 beruflich angefordert wurden, konnte sich am dritten Verhandlungstag an ihn erinnern.
Allen präsent war die immer sehr freundliche, angenehme Betreiberin und ihr öfter mithelfender Sohn. Die Beamten schilderten auch die Bemühungen des Angeklagten, nach der Tat bei der Feuerwehr Hilfe zu holen.
Der Sohn kam an jenem Tag schnell aus der gegenüberliegenden Wohnung zum Imbiss – wohl aufgrund des Blaulichts. Seinem Vater muss er begegnet sein, einem Feuerwehrmann gegenüber beschrieb er den Mann als Bekannten der Familie, den er aber nicht kenne. Mehreren Polizisten gegenüber blockte er dann total. Sie schilderten am 19. März ihren Eindruck, dass er etwas nicht erzählte. Als Beamte später die Todesnachricht überbringen mussten, wollte eine Nichte der Getöteten noch einmal das Foto aus der Feuerwehr-Überwachungskamera sehen, wurde aber vom Schreien der Tochter davon abgebracht. Später identifizierte der Mann der Nichte den Täter, der noch am Abend in Berlin ohne Widerstand zu leisten gefasst wurde.
Angeklagt ist der 51-Jährige von der Staatsanwaltschaft wegen Totschlags, aber die Fragen von Richter Bodo Wermelskirchen gingen wohl noch etwas weiter. Immer mal ging es um eine angebliche Erbschaft, über die zumindest in der vietnamesisch-sprachigen Community geredet wurde. Hat die Tat vielleicht doch finanzielle Hintergründe? Oder sind die Erbschaft einerseits und Schulden der Frau andererseits nur Gerüchte?
Aufklären lässt sich dies kaum, ebenso wenig wie frühere psychiatrische Erkrankungen des Angeklagten und vermeintliche Erniedrigungen durch die Getötete. Die beiden gemeinsamen Kinder und auch die jetzige Ehefrau beriefen sich vor Gericht auf ihr Aussageverweigerungsrecht. Die Kinder wollen auch ihre früheren Angaben bei der Polizei nicht verwertet sehen.
Das mit einer Erbschaft war auch dem jetzigen Betreiber des Imbiss‘ an der Mittelstraße zu Ohren gekommen. Allerdings hatte er davon in Berlin gehört, nicht etwa in Rathenow. Zu der hiesigen Community hat er offenbar keinen Kontakt. Er wolle den Imbiss weiterführen, bis die Kinder aus der Schule sind und entscheiden können, was damit geschehen soll. Bevor er ihn übernahm, erneuerte er die Ausstattung nahezu komplett, erzählte er als einer von zwölf Zeugen am Donnerstag. Weiter verhandelt wird am 30. und 31. März. Dann sollen verschiedene Experten gehört werden. Auch ein Urteil könnte dann schon fallen. Hier lesen Sie, was am ersten Prozesstag zur Sprache gekommen war.





