Plasmaspender gesucht: Alpha-1-Patient besuchte Haema-Spendenzentrum in Brandenburg an der Havel
Im Brandenburger Haema-Spendenzentrum in der Geschwister-Scholl-Straße 2 wurde am Mittwoch die Patientenperspektive in den Blick genommen: Zu Gast war Rüdiger Zerbe, der vom seltenen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel betroffenen ist.
Die genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung schädigt Lunge und Leber oft lange, bevor sie erkannt wird. Viele Betroffene entwickeln zunehmende Atemnot, chronischen Husten und die Belastbarkeit sinkt. Nicht selten zwingt die Erkrankung die Betroffenen in den Rollstuhl. Heilbar ist Alpha-1 bislang nicht.
Alpha-1-Antitrypsin ist ein körpereigenes Eiweiß, das die Lunge vor Entzündungen schützt. Wird es nicht ausreichend gebildet, zerstören diese langfristig das Lungengewebe. Ein Mangel kann zu chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder Leberzirrhose führen. Da Alpha-1-Antitrypsin nicht synthetisch hergestellt werden kann, sind Betroffene auf Medikamente angewiesen, die aus menschlichem Plasma gewonnen werden. Nur regelmäßige Plasmaspenden ermöglichen diese lebensnotwendige Behandlung.
Rüdiger Zerbe war 50 Jahre alt, als er die Diagnose 2010 erhielt. Ein typischer Zeitpunkt, in der Regel bemerken Betroffene ab dem fünften Lebensjahrzehnt zunehmende Beschwerden. Zu seinem Glück dauerte der richtige Befund nur 48 Stunden.
Bei anderen Betroffenen, so berichtete er am Mittwoch, dauere es bis zu sieben Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Nicht selten ist die Erkrankung dann schon viel weiter fortgeschritten. Die Ursache dafür sieht er darin, dass Alpha-1-Antitrypsin-Mangel auch bei vielen Lungenärzten noch nicht bekannt ist. Selbst im Medizinstudium und der anschließenden Spezialisierung sei Alpha-1-Antitrypsin-Mangel kein Thema. Deshalb engagiert er sich im Alpha1 Deutschland e.V.. Die Selbsthilfeorganisation setzt sich unter anderem für Aufklärung, eine frühere Diagnostik sowie eine bessere Versorgung der Betroffenen ein.
Rüdiger Zerbe, der mit seiner Frau in Hennigsdorf wohnt und Vater von zwei Töchtern ist, bekommt das aus Plasma gewonnene Medikament seit 2014. Damit liegt sein Lungenvolumen noch bei 40 bis 45 Prozent, ohne das Medikament wären es nur noch 20 bis 25 Prozent.
Mit Plasmaspenden lässt sich der Krankheitsverlauf für Patienten, wie Rüdiger Zerbe, deutschlandweit sind es etwa 8000, deutlich verlangsamen und die Lebensqualität spürbar verbessern. Rund 900 Plasmaspenden benötigt er, um ein Jahr lang medikamentös eingestellt zu sein. Einmal in der Woche bekommt er bei seinem Arzt für eine Stunde lang einen Tropf mit dem Medikament, das ihm ein weitestgehend normales Leben ermöglicht.
Doch noch immer spenden in Deutschland zu wenige Menschen: Von etwa 30 Prozent, welche die Voraussetzungen erfüllen, spenden nur rund drei Prozent und schenken Erkrankten so Lebensqualität zurück. Dabei kann ein gesunder Mensch ab 18 Jahren und mit einem Körpergewicht ab 50 Kilogramm bis zu 60 Plasmaspenden pro Jahr vornehmen lassen. Dabei werden, zum Beispiel bei der Haema, die flüssigen und die festen Bestandteile des Blutes voneinander getrennt. Die festen Bestandteile werden zurückgeführt, die flüssigen Bestandteile, also das Plasma, wird gesammelt, eingefroren und dann zur Weiterverarbeitung abgegeben. Das alles dauert nicht länger als 40 Minuten und ist absolut schmerzfrei.
Interessierte sind jederzeit herzlich willkommen und können bei Besuchen wie dem von Rüdiger Zerbe selbst erleben, wie wichtig ihr Engagement ist. Geöffnet ist Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 7 bis 19.30 uhr, Mittwoch von 12 bis 17 Uhr.





