Müllspione – oder wer durchwühlt jetzt Gelbe Tonnen im Havelland?
Von Rathenow bis Falkensee bestehen offenbar akute individuelle Defizite, was das Wissen um die Entsorgung von Leichtverpackungen betrifft. Das hat jetzt Folgen.
Das Duale System funktioniert nur solange, wie in Gelben Tonnen nur das landet, was rein gehört. Das sind ausschließlich recycelbare Leichtverpackungen wie leere Spülmittelflaschen und Getränkekartons, aber kein Glas oder Papier. Für die Leerung der Gelben Tonnen ist zwar die Havelländische Abfallwirtschaftsgesellschaft mbh (HAW) zuständig, allerdings fährt sie hierbei als Auftragnehmerin der Zentek GmbH mit Sitz in Köln, die im Landkreis das Duale System koordiniert.
Wie es aus Köln nun heißt, werde im Landkreis Havelland überdurchschnittlich viel Müll in den Gelben Tonnen gesammelt. Es bestehe die Vermutung, dass auch andere Abfälle in die Tonnen gelangen. Der Bundesdurchschnitt beläuft sich pro Einwohner und Jahr auf rund 32 kg Sammelmenge an Leichtverpackungen. „Im Vergleich dazu lag laut Analyse im Landkreis Havelland die Sammelmenge in den Jahren 2024 und 2025 bei jeweils mehr als 43 kg pro Einwohner und damit deutlich höher als bundesweit üblich“, so das Unternehmen und spricht von einer Stichprobenanalyse im Landkreis Havelland, die zu dem Ergebnis kam.
Im Ergebnis der Analyse zeige sich, dass die Gelben Tonnen oft mit Restmüll wie Speiseabfällen, Aschenbecherinhalt oder Katzenstreu befüllt waren. Der hohe Restmüllanteil führe dazu, dass ein Recycling der Leichtverpackungen nicht mehr möglich ist. Sämtliche Wohnlagen im Landkreis seien von den Fehlbefüllungen betroffen. Neben Großwohnanlagen, bei denen der Müll nahezu anonym entsorgt wird, hätten diese auch in Einfamilienhaussiedlungen verzeichnet werden können. Dazu, ob es regionale Unterschiede gibt, äußerte sich Zentek nicht. Es kündigt kreisweite Gegenmaßnahmen an.
Dazu sollen in den kommenden Wochen Vor-Ort-Sichtkontrollen der Gelben Tonnen stattfinden. Dafür zuständig sind die sogenannten „Waste Watcher“. Behälter, die neben Verpackungsabfällen auch Restmüll enthalten, sollen mit einem Aufkleber versehen und für die Abfuhr gesperrt werden. „Die Besitzer der Tonnen werden zum Nachsortieren aufgefordert. Erst wenn die Behälter ordnungsgemäß befüllt sind, dürfen sie erneut zur Abfuhr bereitgestellt werden. Wird trotz Kennzeichnung keine Nachsortierung vorgenommen, werden die falsch befüllten Behälter abgezogen“, so Zentek. In diesem Fall sei mit der Kreisverwaltung Kontakt aufzunehmen, um das sachgerechte Volumen der Restmüllbehälter entsprechend zu erhöhen. Das wäre mit Kosten verbunden.
Außerdem sei zu beachten, dass die Verpackungsabfälle nur lose oder in transparenten handelsüblichen Säcken in die Behälter geworfen werden dürfen. Die Verwendung von blickdichten Säcken sei zur Vermeidung von Fehlwürfen, die sonst nicht erkannt werden können, ausgeschlossen und stelle deshalb per se eine Fehlbefüllung dar.
Zur besseren Aufklärung unterstützt die Initiative „Mülltrennung wirkt“ mit wichtigen Informationen rund um die richtige Mülltrennung. Hier können ferner Trenntabellen, auch in verschiedenen Sprachen, heruntergeladen werden.





