Lesehelfer gesucht! – Bundesverband sucht Mitstreiter – Brandenburg braucht dringend ehrenamtliche Lesementor:innen
Wenn Kinder am Ende der Grundschule nicht sicher lesen können, geraten sie oft in allen Schulfächern ins Hintertreffen. Bildungsstudien zeigen: In Brandenburg gelten 14,2 Prozent der Grundschulkinder als schwache Leser, bundesweit liegt der Vergleichswert bei 10,3 Prozent (IGLU 2021).
Als Ines Kias aus Rathenow 2022 auf einer Autofahrt einen Radiobeitrag über die schlechte Lesekompetenz von Kindern hörte, ließ sie das Thema nicht mehr los. „Die Nachricht, dass so viele Kinder kaum lesen können, machte mich traurig und fassungslos“, erinnert sie sich. Eigentlich wollte sie sich „einfach nur“ ehrenamtlich engagieren und mit einem Kind lesen. Doch beim Anruf beim Lesementor Bundesverband kam die Überraschung: Dafür braucht es regionale Strukturen, am besten einen eigenen Verein. Heute ist daraus eine Erfolgsgeschichte geworden: Ihr Verein „Mentor – Die Leselernhelfer Havelland e.V.“ zählt inzwischen 98 ehrenamtliche Mitglieder.
Genau solche Initiativen möchte der Lesementor Bundesverband nun auch in Brandenburg an der Havel und weiteren Gebieten Brandenburgs gemeinsam mit engagierten Bürger:innen vor Ort gründen.
Gesucht werden Menschen, die einen neuen Verein mit aufbauen oder sich als Lesementor:innen engagieren möchten. Der Bedarf ist enorm, auch der IQB-Bildungstrend 2022 zeigt deutlich, dass viele Jugendliche in Brandenburg Schwierigkeiten beim Lesen haben: 37,8 Prozent der Schüler:innen in der Sekundarstufe I erreichen die Regelstandards im Lesen nicht, an Ober- und Gesamtschulen sogar 58,1 Prozent.
„Wenn Kinder nicht richtig lesen lernen, verlieren sie oft schon früh den Anschluss, nicht nur im Deutschunterricht, sondern auf ihrem gesamten Bildungsweg“, betont Huguette MorinHauser, 1. Vorsitzende des Lesementor Bundesverbands e.V. „Leseförderung bedeutet weit mehr als das Üben von Buchstaben und Texten. Es geht um Selbstvertrauen, Teilhabe und die Erfahrung, dass sich jemand Zeit nimmt und an ein Kind glaubt.“
Im Mittelpunkt der Arbeit steht das bewährte 1:1-Prinzip: Ein:e ehrenamtlicher:e Lesementor:in trifft sich einmal pro Woche mit einem Kind, mindestens ein Jahr lang. Die Ehrenamtlichen gehen gezielt auf den Bedarf und die Interessen jedes Kindes ein. In entspannter Atmosphäre wird gemeinsam gelesen, gelernt und auch gespielt, immer in enger Zusammenarbeit mit Schulen. Wie wirksam dieses Konzept ist, erlebt Ines Kias im Havelland immer wieder: „Der Anfang war schwer“, erzählt sie. „Aber inzwischen arbeiten wir mit großen Gruppen an den Schulen und bekommen viel positives Feedback von Kindern, Lehrkräften und Schulleitungen.“
Besonders berührend sei für viele Ehrenamtliche die persönliche Beziehung zu den Kindern. „Unsere Mentorinnen und Mentoren sind oft ganz beseelt von der Zusammenarbeit mit den Lesekindern. Es ist wirklich eine Win-Win-Situation.“
Viele Kinder erleben durch die regelmäßigen Treffen zum ersten Mal ungeteilte Aufmerksamkeit und eine verlässliche Bezugsperson. Gleichzeitig erfahren auch die Ehrenamtlichen viel Sinn, Gemeinschaft und Anerkennung.
Der Bundesverband begleitet neue Initiativen Schritt für Schritt von einer Anschubfinanzierung, über Seminare bis hin zu Materialien und Vernetzung. Möglich wird dies durch das Programm MENTOR Plus, gefördert von der Auridis Stiftung und weiteren Partnern.
Auch Ines Kias möchte ihre Erfahrungen weitergeben: „Ich habe selbst unglaublich viel Unterstützung bekommen: vom Bundesverband und anderen Vereinen. Genau diese Hilfe möchte ich weitergeben. Und gemeinsam macht es einfach viel mehr Freude.“
Rund 17.500 Lesementor:innen fördern inzwischen mehr als 23.500 Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland. Nun soll diese Erfolgsgeschichte auch hier vor Ort weiter wachsen.





