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Freitag, 4. September 2026

Landgericht Potsdam: Falkenseer soll Mann zu Tode geprügelt haben

Falkensee, Nauen, Potsdam
Graue, langgezogene Mauer mit Aufschrift Justizzentrum Potsdam. Im Hintergrund blauer Himmel und belaubte Bäume.
In Potsdam wird derzeit der Fall eines Falkenseer verhandelt, der in Nauen eine Mann schwer verprügelt hat. Foto: Sandra Euent

Das Jahr 2026 hatte gerade erst begonnen, da kommt es auf der akutpsychiatrischen Station der Nauener Havelland-Kliniken zu einer schweren Gewalttat. Der mutmaßliche Täter wird mit Hilfe der Polizei fixiert – das Opfer stirbt mehrere Wochen später in einer anderen Klinik. Jetzt wird der Fall vor dem Landgericht Potsdam verhandelt.​

Als die Pflegerin am 2. Januar kurz in den großen Tagesraum für Patienten blickt, denkt sie noch, dass der neue Patient auf ein Sofa einschlägt. Tatsächlich aber, das erkennt sie beim Hingehen, trifft seine Faust einen anderen Patienten im Gesicht, der zwischen Sofa und Wand liegt. „Hören Sie auf“, habe sie geschrien, erinnert sich die Pflegerin als Zeugin am Dienstag, 18. August 2026 im Landgericht. Ein- oder zweimal habe der Mann noch zugeschlagen, dann habe er sich hingestellt, gelächelt und sich ruhig auf ein Sofa gesetzt.

Sie glaube nicht, dass er wegen ihrer Ansage aufhörte. Schwestern und Ärzte waren zu Hilfe geeilt, standen in der Zimmertür. Eine andere Pflegerin erinnert sich an den Satz, sie sollen „den Alten“ wegnehmen, sonst würde er weiter auf ihn ein- und ihn vielleicht noch totschlagen. Der brutal ins Gesicht geschlagene Mann kam nach einer kurzen Akut-Versorgung auf die klinikeigene Rettungsstelle.

Was damals auf der psychiatrischen Station der Nauener Klinik geschah und vor allem warum, versucht die 1a-Strafkammer des Landgerichts Potsdam in den nächsten Wochen zu ergründen. Angeklagt ist ein heute 25-jähriger Falkenseer wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Er machte beim Prozessauftakt von seinem Schweigerecht Gebrauch, verriet auch nichts zu seiner Person. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Mathias Noll machte deutlich, dass es aus seiner Sicht vor allem um Fragen der Schuldfähigkeit geht und darum, ob sein Mandant in eine Entziehungsklinik oder in die geschlossene Psychiatrie muss.

Der Vater des Angeklagten schilderte, warum er seinen Sohn zu Silvester in die Psychiatrie bringen ließ. Der habe sich am 30. Dezember verabschiedet, nüchtern, wollte zu Freunden. Am nächsten, kalten Silvestermorgen stand er nackt zwischen zwei Polizisten, die ihn in Falkensee aufgegriffen hatten und nun an die Tür des Vaters klopften. So hatte der seinen Sohn noch nie gesehen, sagt der Vater vor Gericht – und es war schon vieles passiert.

Als Teenager erlitt er eine Art Schlaganfall, zwei Jahre später starb seine Mutter. Er fand schlechte Freunde, probierte Alkohol und illegale Drogen, sah verschiedene Therapeuten. Eine Arbeit fand er schließlich in einer Klinik in München, als Hilfspfleger, hielt auch gut durch, aber als seine Chefs kündigten und viel Personal wechselte, kam er nicht mehr klar und kehrte zurück ins Haus des Vaters.

„Er hat mich nicht erkannt“, erinnerte sich der Vater, als er seinen Sohn kurz nach der Aufnahme in der Nauener Klinik besuchte. Welche Drogen diese starke Reaktion ausgelöst haben könnten, blieb lange unklar, einen Test verweigerte der Sohn. Auch am 2. Januar spielte er schon vor seinem Gewaltausbruch nicht mit. Eine Pflegerin beschrieb, wie sie ihm seine Medikamente bringen wollte – er habe untenherum unbekleidet auf einem Bett im Tagesraum gelegen. Als er sich nicht zudecken wollte, tat es die Pflegerin. „Er wirkte sehr angespannt“, sagte die Pflegerin, die Medizin wies er zurück, die solle sie selbst nehmen und verschwinden. Wenig später dann schlug er brutal auf den Mitpatienten ein.

Opfer starb in Neuruppiner Klinik

Das Opfer der Gewalttat war ein dementer älterer Herr, der viel auf der Station unterwegs war und auch die Nähe zu anderen Patienten suchte, aber „umgänglich und gut bespielbar“, wie eine Zeugin es beschrieb. Nach der Gewalttat kam er von der Rettungsstelle noch einmal auf die psychiatrische Station – sehr zum Verdruss einer Ärztin, die die Konstellation als Gefährdung einstufte. Aber keine Station habe einen psychisch angeschlagenen Patienten nehmen wollen. 

Nach mehreren Tagen wurde er nach Neuruppin verlegt und dort endlich eine dringende Operation durchgeführt. In den Ruppiner Kliniken infizierte er sich laut Anklage mit mehreren Krankheitserregern und starb etwa acht Wochen nach der Tat. Der Tod sei dem Angeklagten laut Anklage zuzurechnen, da er mit einer stationären Behandlung und den dabei möglichen Infektionen rechnen musste. Ein Urteil könnte am 7. Oktober gefällt werden.

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