Internationale Zusammenarbeit bei KI in der Radiologie: Delegation aus Island zu Gast am Universitätsklinikum Brandenburg
Eine Delegation der Healthcare Institution of South Iceland (HSU) besuchte das Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Brandenburg an der Havel. In einem ganztägigen fachlichen Austausch informierten sich die isländischen Gäste über den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der Radiologie, ihre Integration in klinische Arbeitsabläufe sowie technische und organisatorische Voraussetzungen. Hintergrund ist die geplante Einführung von KI-Anwendungen in Island, mit denen insbesondere die notfallmedizinische Versorgung in der weitläufigen und dünn besiedelten Region unterstützt werden soll.
Im Mittelpunkt des Besuchs stand deshalb nicht allein die Technologie. Die Delegation interessierte sich vor allem für die Erfahrungen, die das Universitätsklinikum Brandenburg bei der Einführung und Anwendung von KI im klinischen Alltag sammelte: Wie verändern sich Arbeitsabläufe? Welche Herausforderungen entstehen bei der Implementierung? Wie werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbezogen? Und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit aus einer technologischen Lösung eine sichere und akzeptierte medizinische Anwendung wird?
Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Andreas G. Schreyer MHBA, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, stellte dazu die bisherigen Erfahrungen des Universitätsklinikums vor. Neben den Möglichkeiten und Erfolgen des KI-Einsatzes thematisierte er auch Herausforderungen, Widerstände und Lernprozesse bei der Einführung neuer Systeme: „Künstliche Intelligenz kann die medizinische Versorgung wirkungsvoll unterstützen. Entscheidend ist aber nicht allein, was technisch möglich ist, sondern wie wir diese Möglichkeiten sicher und sinnvoll in den klinischen Alltag integrieren. Dazu gehören neben der Technik vor allem die Menschen, die mit den Systemen arbeiten, klare Prozesse und Vertrauen in die Anwendung“, sagt Schreyer.
Weitere Einblicke gab Leandra-Lalune Sälzler, AI Clinical Specialist des Medizintechnik-Unternehmens Gleamer: Gemeinsam mit Dr. Tom Malysch, Ärztlicher Leiter des Instituts für Rettungsmedizin, diskutierten die Gäste insbesondere die Einsatzmöglichkeiten mit Blick auf die notfallmedizinische Versorgung. IT-Leiter Fred Köppen erläuterte technische Voraussetzungen, Fragen der Datensicherheit und Erfahrungen bei der Implementierung von KI am Universitätsklinikum.
Gerade für Island können KI-Anwendungen in der Radiologie besondere Bedeutung gewinnen. Die Größe der Region und ihre vergleichsweise geringe Bevölkerungsdichte stellen die medizinische Versorgung vor ähnliche Herausforderungen wie in Teilen Brandenburgs. Radiologische Expertise ist nicht überall und zu jeder Tageszeit gleichermaßen verfügbar. KI kann hier dazu beitragen, Ärztinnen und Ärzte bei der Beurteilung von Untersuchungen zu unterstützen und bestehende Versorgungsstrukturen zu ergänzen. Der achtstündige Austausch machte zugleich deutlich, wie ähnlich medizinische und organisatorische Fragestellungen trotz unterschiedlicher Gesundheitssysteme und geografischer Bedingungen sein können. Im Mittelpunkt standen deshalb neben technologischen Fragen auch klinische Prozesse, Akzeptanz, Verantwortung und die praktische Umsetzung von Veränderungen.
„Der internationale Austausch bietet die Möglichkeit, voneinander zu lernen und Erfahrungen aus der Praxis weiterzugeben. Wir freuen uns, wenn die am Universitätsklinikum Brandenburg gewonnenen Erkenntnisse die Kolleginnen und Kollegen in Island bei der Einführung von KI in der Radiologie unterstützen können“, so Schreyers Fazit. An dem Austausch nahmen für die Healthcare Institution of South Iceland Díana Óskarsdóttir, Andri Jón Heide, Daði Már Sigurðsson und Brad Alexander Egan sowie Smári Kristinsson und Anton Þór Ólafsson von Raförninn teil. Beide Seiten vereinbarten, den begonnenen fachlichen Austausch fortzusetzen.





