Wie ein Mops in Rathenow Geschichte schrieb
Bundesweiter Tag der Archive: Die hauptamtlich geführten Archive in Rathenow, Falkensee, Friesack und Brieselang bündeln ihre Kompetenzen und laden am 7. März 2026 zu einer gemeinsamen regionalen Veranstaltung ein.
Auf gedruckten Infozetteln heißt es: „Vorträge beleuchten historische und persönliche Perspektiven von Zugehörigkeit, Migration und Ankommen im Havelland. Ergänzt wird das Programm durch die Präsentationen regionaler Heimatvereine, die ihre Arbeit vorstellen.“ Es präsentieren sich die Heimatvereine Friesack und Ketzin, der Heimatbund Rathenow sowie die Nauener Heimatfreunde.
Zum zentralen Zielort wird am Samstag, 7. März 2026, das Oberstufenzentrum (OSZ) Havelland, Berliner Allee 6, in Friesack. Am Standort befindet sich das Kreisarchiv. Allerdings wird wegen eingeschränkter räumlicher Möglichkeiten von 13.00 bis 17.00 Uhr in die OSZ-Mensa eingeladen. Der Eintritt ist frei.
In Rathenow und Falkensee ist von Stadt-, in Brieselang von Gemeindearchiv die Rede. Das in Friesack wird vom Landkreis Havelland betrieben. Damit ist jüngere Geschichte verbunden. Das zweiflügelige Haus wurde ursprünglich als Mädcheninternat genutzt.
1951 hatte das DDR-Innenministerium die Bildung von Archiven in den neu gebildeten Kreisen verordnet. Nach der Kreisfusion (Ende 1993) wurden die Archive aus Rathenow und Nauen zusammengeführt. Am Friesacker Standort war das zum 5. Februar 1998 vollzogen. Hier wird nichts gelagert, was nicht auf Papier gedruckt ist – ein Hort des Analogen. Zum Bestand gehören auch Verwaltungsakten aus beiden Kreisen vor 1990. Freilich werden hier auch neu anfallende Dokumente archiviert, denn es handelt sich am Standort gleichsam um das havelländische Verwaltungsarchiv. Historische und neuzeitliche Bauunterlagen sind hier ebenso für Interessierte verfügbar.
Im Kreisarchiv lagert auch die erste Zeitung der Region. „Rathenowsches gemeinnütziges Wochenblatt“ hatte Buchdrucker und Herausgeber Johann Friedrich Flick sein zunächst nur vierseitiges Druckerzeugnis genannt. Die Erstausgabe datiert vom 1. Juni 1816. Auf Seite 4 war zu erfahren, dass mehrere Wochen zuvor eine Mops-Hündin entlaufen war. Wer sie in Flicks Druckerei abgab, sollte einen Taler zur Belohnung erhalten.
Um zur ersten Zeitung zu gelangen, muss Kreisarchivarin Anja Sachs weit in den Magazinraum im linken Flügel des Gebäudes hineinlaufen. Denn die hiesige Fahrregalanlage, eine andere befindet sich im rechten Flügel, ist sehr lang. An heutigen Zeitungsformaten gemessen, wirkt das Wochenblatt geradezu winzig.
Die im Kreisarchiv aufbewahrten Zeitungen – darunter Betriebszeitungen der Rathenower Optischen Werke („Lupe“) und des Premnitzer Chemiefaserwerks („Aufwärts“) – belegen Geschichte unter sich ändernden politischen, gesellschaftlichen und ideologischen Vorzeichen. Freilich vollzogen sich auch technische Veränderungen. Man denke nur an Zeitungsfotos, die erst ab 1883 allmählich in Deutschland aufkamen.
Am Aktionstag werden Führungen zu den Fahrregalanlagen angeboten. Im Fokus der Vorträge in der OSZ-Mensa stehen einerseits Flüchtlinge, für die das Havelland ab 1945 zur neuen Heimat wurde. Der andere Vortrag ist überschrieben mit der Frage: „Ist das Wandern wirklich des Müllers Lust?“ Hierbei geht es um unstete Berufe von einst.





