Im Havelland – Wo eine 800-Jahr-Feier nicht stattfindet
Milow gab es schon – ersterwähnt 1144. Mützlitz, Garlitz und Buckow sind seit 1161 belegt, Rathenow und Rhinow seit 1216. Zehn Jahre nach ihnen tauchte Gapel auf der Bühne des Mittelalters auf. Doch hier gibt es keine 800-Jahrfeier wie 2016 in den beiden Städten.
Der Ort ist allgemein für zwei leichte Kurven bekannt. Wer auf der Bundesstraße B 102 unterwegs ist, muss abbremsen, ehe es durch den Südzipfel von Gapel geht. Zwischen dem 948 ersterwähnten Pritzerbe und Döberitz mit seiner Ersterwähnung von 1375 bestand mal ein bischöfliches Gut. 1226 hatte es Bischof Gernand von Brandenburg dem Domkapitel geschenkt. Ehe der regionale Oberhirte in den Privatbesitz gekommen war, dürfte Gapel dem Brandenburger Burggrafen gehört haben.
Wasserreicher als heute war die Gegend zwischen Pritzerbe und Gapel, wie man heute nur noch erahnen kann, wenn die Ufer der Havel saisonal überschwemmt sind und das Wasser bis fast an die Bundesstraße heranreicht. Ein befestigter Weg zwischen den Orten dürfte im Mittelalter noch illusorisch gewesen sein. Gapel war sehr wahrscheinlich Teil eines Wegesystems, das wohl alle damals bestehenden Orte miteinander verband. Es ging allerdings mitten hinein und durch einen großen Wald. Heute ans System angeschlossen sind im Uhrzeigersinn aufgezählt: Gapel, Döberitz, Premnitz, Mögelin, Rathenow, Bamme, Gräningen, Mützlitz, Marzahne, Kieck, Seelensdorf und Pritzerbe.
Pritzerbe war ursprünglich eine bischöfliche Residenz. Mützlitz gehörte seit 1161 dem Domkapitel. 1194 kam Marzahne hinzu. Durch die bischöfliche Schenkung von 1226 dehnte das Domkapitel seinen Besitz in dem Bereich weiter aus. In der diesbezüglichen Urkunde ist noch von „Gople“ die Rede.
Laut Wikipedia fanden ferner das bischöfliche Gut, eine Vogtei, ein Lehnschulzenamt sowie ein Fischwehr in der Havel Erwähnung. Gople bzw. Gapel war also nicht der winzige bzw. unbedeutende Ort wie in heutiger Wahrnehmung. Noch 1375 – also in dem Jahr der Ersterwähnung von Döberitz und Premnitz – soll er über 14 Hufen bzw. knapp 240 Hektar Land verfügt haben. Das ursprüngliche Gapel bestand noch 1394, danach wurde es nicht mehr erwähnt. Das Dorf verfiel bzw. fiel wüst.
Zum Neustart kam es 1750 durch Ansiedlung von Kolonisten. Land und neu aufgebauter Ort sollen bis 1872 im Besitz des Domkapitels gewesen und sodann Seelensdorf zugeschlagen worden sein. Bedeutendstes wirtschaftliches Ereignis: 1915 begründete die Chemische Fabrik Griesheim-Elektron ein Sprengstoffwerk, das ab Frühjahr 1916 produzierte. Gapel bekam sogar einen eigenen Bahnhalt.
1928 erfolgte die Eingemeindung nach Döberitz. Per Eingemeindung nach Premnitz (2003) wurde Döberitz zum Ortsteil der Stadt, wodurch auch Gapel zu dieser Havelstadt im Natur- und Sternenpark Westhavelland kam. Eine 800-Jahr-Feier ist nicht vorgesehen. Nicht mal ein Transparent erinnert in Gapel an das Jubiläum.
Allen, die sich für Ortsgeschichte interessieren sei die 2022 von Jürgen Mai, Wolfram Bleis und Werner Coch herausgegebene Premnitz-Broschüre in der Reihe „Thementour Westhavelland“ empfohlen.





