Havelländische Bauern zwischen Wut und Resignation
Vor Beginn der Ernte lud der Kreisbauernverband Havelland zum Pressegespräch auf eine Streuobstwiese in Lietzow (Nauen) ein. Neben dem Ausblick auf die anstehende Ernte sprachen die anwesenden Landwirte am 22. Juni 2026 auch die Schwierigkeiten an, mit denen sie immer mehr zu kämpfen haben.
Zunächst die guten Nachrichten: Es wird mit einer durchschnittlichen bis guten Ernte gerechnet, je nachdem, was angebaut wurde. Die Sommerkulturen, wie Hafer, Mais und Rüben, benötigten allerdings dringend etwas Regen. Hier würde man schon sehen, dass die Pflanzen Trockenstress bekommen.
Auch die Grünlandbauern, also diejenigen, die auf den Wiesen Heu machen, sind bisher zufrieden. Da es im Frühjahr immer wieder geregnet hatte, sind die Wiesen gut gewachsen, und das gute Wetter der vergangenen Tage hätte eine leicht überdurchschnittliche Heumenge eingebracht.
Über die Ernteaussichten habe man also nicht zu klagen, so der Tenor bei den Vorstandsmitgliedern des Kreisbauernverbands. Schwierigkeiten gebe es allerdings, die Ernte dann zu vermarkten. So die bodenanreichernden Leguminosen, wie Luzerne, für die es nicht genug Abnehmer gibt. Ähnlich bei Erbsen und Lupinen, auch hier seien die Preise eigentlich zu niedrig, um diese gewinnbringend anzubauen.
In diesem Zusammenhang steht auch der Zuckerrübenanbau. Ab 2027 wird es Rüben im Havelland nur noch für die Biogasanlage auf dem Feld geben, da Rüben für die Zuckerproduktion nicht mehr benötigt würden. Diese würden günstiger importiert werden. Ähnliches gilt für Kartoffeln. Es sei kein Markt mehr vorhanden, da Kartoffeln aus dem Ausland preiswerter seien und der große Anbauaufwand sich dadurch nicht mehr lohne. Darüber hinaus besteht die Furcht vor Schilf-Glasflügelzikaden, die Bakterien auf Nutzpflanzen wie Kartoffeln, Spargel und Rüben übertragen und dadurch schwer schädigen. Sie sind im Osten Brandenburgs schon da.
Ferner kämpfen die Landwirte mit stark gestiegenen Kraftstoff- und Düngerpreisen. Man sei leider noch abhängig vom Diesel, so Peters. Tatsächlich zeigten sich alle vier Landwirte am Tisch sehr offen für Elektrotechnik. Nur seien Traktoren in der benötigten Größenordnung noch nicht verfügbar. Betriebsfahrzeuge auf den Höfen seien durchaus schon elektrisch und die meisten haben auch Photovoltaikanlagen auf Dächern und, wo möglich, auf Feldern. Auch das sei im Übrigen Einkommensicherung für die Landwirte.
Dirk Peters, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, sagt zudem, dass die Verbraucher nicht von der guten Ernte profitieren werden. „Die Preise werden nicht sinken“, prophezeit der Landwirt aus Neukammer. Die Erzeugerpreise seien dagegen im freien Fall. Unter anderem würden da Getreideimporte aus der Schwarzmeerregion – unter anderen aus der Ukraine – eine Rolle spielen, aber auch Freihandelsabkommen mit beispielsweise Australien und Indien.
Die Landwirte monieren, dass die Erzeugerpreise im Keller seien, gleichzeitig aber die Lebensmittelpreise so hoch wie nie. Die Gewinnspannen würden bei den Lebensmittelhändlern und den Veredlern, also denjenigen, die das Getreide zu Lebensmitteln verarbeiten, hängen bleiben. „Das Geld verschwindet woanders“, sind die Landwirte überzeugt. Der Handel würde Milliardengewinne machen, und bei den Bauern käme nichts an.
Viele Kulturen würden derzeit gerade so kostendeckend seien, eigentlich wäre derzeit nur Mais noch gewinnbringend anzubauen. Aber das wäre ja keine Lösung und auch nicht gewollt, so der Tenor. Die Landwirte stecken zwischen Wut und Resignation und wünschen sich Hilfe, auch in Form von Bürokratieabbau und Planungssicherheit.





