Havelländer unterzeichnen Protestbrief gegen Sperrung der Lehrter Bahn
Am 9. September gab die Deutsche Bahn InfraGO als Baulastträger in einer Onlinekonferenz den betroffenen Kommunen bekannt, dass es im Rahmen der Generalsanierung der Lehrter Bahn – Lehrte (bei Hannover) bis Berlin-Spandau – zu erheblich längeren Sperrungen kommen soll: auf vollständiger Strecke zwischen Wustermark und Rathenow über einen Zeitraum von insgesamt 14 Monaten.
Bislang plante die Bahn mit nur vier Monaten, jeweils zwischen Oktober und Dezember 2026/2027. Grund: Verzögerungen vorbereitender Bauarbeiten. So fährt bereits seit Sommer 2025 teilweise Schienenersatzverkehr zwischen Rathenow und Stendal. Erst Mitte Juni wurde die Generalsanierung der Bahntrasse (Hamburg – Berlin) mit Vollsperrung und erheblichen Herausforderungen mit sechs Wochen Verspätung nach insgesamt über zehn Monaten abgeschlossen.
Gemeinsam mit den Spitzen aller 13 havelländischen Kommunen richtet sich Landrat Roger Lewandowski mit einem Schreiben an Bahn-Spitze, Bundesverkehrsminister Steffen Bilger und Landesinfrastrukturminister Robert Crumbach. Dies wurde in dieser Woche am Rathenower Bahnhof in Anwesenheit aller Bürgermeister und Amtsdirektoren, außer Kathrin Mußhoff (Ketzin) und Bodo Oehme (Schönwalde-Glien) unterzeichnet.
„Nach der Streckensperrung der Hamburger Bahn ist die nun avisierte von 14 Monaten eine nicht hinnehmbare Zumutung!“, heißt es in dem Protestschreiben. „Für die tausenden Pendlerinnen und Pendler, die auf dieser Bahntrasse ost- wie westwärts zwischen ihren Wohn- und Arbeitsorten pendeln, käme es zu gravierenden Einschränkungen und erheblichen zeitlichen Mehraufwänden. Für die Strecke Berlin – Rathenow kommt es aufgrund des Bus-gebundenen Ersatzverkehres zu einer Verdopplung der Fahrzeit auf bis zu 120 Minuten. Dies hätte gravierende Auswirkungen auf den strukturschwächeren Wirtschaftsstandort westliches Havelland, der auch im Wettbewerb um Arbeitskräfte und touristisch deutlich benachteiligt wäre und dadurch auch mittel- und langfristig unter den Folgen leiden könnte.“
So führte beispielsweise der Landrat, auch gegenüber Regionalfernsehen und weiteren Medien an, dass allein 40 Ärzte und Pflegekräfte täglich aus Berlin an den Rathenower Klinikstandort pendeln. „Jeden Arbeitstag sind jeweils 4.000 Ein- und Auspendler zwischen Rathenow und dem Berliner Raum betroffen“, so Rathenows Bürgermeister Jörg Zietemann.
Auch indirekt an der Bahnstrecke liegende Kommunen sind durch Ausweich-Pkw-Verkehr betroffen. Hinzu kommt, dass der Landesbetrieb Straßenwesen (LS) in Abschnitten von Mitte Oktober bis Mai 2027 die Sanierung der B5 auf 3,8 Kilometern plant. Hier hofft der Landrat, dass der LS diese Baustelle, die über den Winter ohnehin ruht, verschiebt. [Anmerkung der Redaktion: Die bauvorbereitenden Maßnahmen haben auf der B5 bereits begonnen, eine Verschiebung ist also unwahrscheinlich.]
„Wir werden den Protestbrief auch an die Bundestagsabgeordneten der Region senden“, so Lewandowski, der auch die Kooperation zur Protestinitiative der Stadt Stendal sucht. „Wir fordern, eine tragfähige und akzeptable Lösung auf der Strecke zu entwickeln! Eine Vollsperrung in diesem zeitlichen Rahmen, wie sie im Raum steht, muss unter allen Umständen verhindert werden! Insbesondere muss geprüft werden, ob zumindest temporär die Strecke Berlin – Rathenow oder zumindest Berlin – Nennhausen bedient werden kann. Außerdem muss gesichert sein, dass die Infrastruktur an den Ausweichbahnhöfen der Hamburger Bahn entsprechend bereitsteht.“
Neben den verschiedenen Bus-Ersatzverbindungen, wie dem Ersatzbus X4 (Stendal – Rathenow – Nauen) und vier Lokallinien A (Brieselang – Falkensee), B (Rathenow – Nauen), C (Nauen – Priort –Falkensee) und D/RB34 (Rathenow – Stendal) und von Nauen weiter mit dem Zug nach Berlin, besteht auch die Möglichkeit zwischen Rathenow und Berlin-Charlottenburg über Brandenburg/Havel die RB51 und den RE1 zu nutzen.
Detaillierte Infos erhält man hier auf den Seiten der DB.





