Geschwister Scholl-Schule verbindet Erinnerung an die Weiße Rose mit dem Engagement gegen Rassismus
Der Todestag von Sophie und Hans Scholl ist für die Geschwister-Scholl-Schule in Bad Belzig ein Tag des Gedenkens. Seit vielen Jahren gibt es dort eine Feier mit vielen Gästen. Die meisten kommen schon immer, wie zum Beispiel Inge Richter. Als Vorsitzende des Förderkreises Röderhof setzt sie sich mit dem Thema Nationalsozialismus und NS-Zeit aktiv auseinander und unterstützt die Schule bei der Gestaltung der Feier. Auch in diesem Jahr haben die Schüler, dank der Unterstützung ihrer engagierten Lehrkräfte, wieder ein Theaterstück aufgeführt. Dabei kam insbesondere zur Sprache, ob es nicht langsam genug wäre, immer wieder zu erinnern. Viele junge Menschen wissen wenig über die damalige Zeit. Aber gerade deshalb muss erinnert werden, wurde im Stück ausdrücklich gefordert – denn „Nie Wieder ist jetzt“.
Sophie und Hans Scholl gehörten der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ an. Im Gedenken traten die Schülerinnen und Schüler mit schwarzen T-Shirts mit dem Aufdruck einer weißen Rose auf. Weiße Rosen standen auch für die Ehrung am Gedenkstein vor der Schule bereit.
Wer an der Veranstaltung teilgenommen hatte, stellte fest, dass in diesem Jahr viele besondere Gäste dabei waren. Dafür gab es einen zweiten besonderen Grund. Die Geschwister-Scholl-Grundschule wurde als 5000. Schule in das Netzwerk „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage“ aufgenommen. Diesen besonderen Moment wollte auch Ministerpräsident Dietmar Woidke miterleben, der neben Landtagsabgeordnete Melanie Balzer, Landrat Marko Köhler, Bürgermeister Robert Pulz, der Geschäftsführung der Bundeskoordination, Zonya Dengi und Carsten Völtzke sowie der Landeskoordinatorin für Brandenburg Andrea Rauch, anwesend war.
Bei Ausgrenzung und Benachteiligung hinzusehen
Der Verein Aktion Courage e.V. mit Sitz in Bonn gründete das Projekt „Schule ohne Rassismus“ (damals noch ohne den Zusatz „Schule mit Courage“) in Deutschland 1995. Die Gründer ließen sich von einer Idee inspirieren, die 1988 in Belgien entstand. Am 25. August 1995 wurde das Projekt in der Bundespressekonferenz vorgestellt. Im gleichen Jahr erschien das erste „Projekthandbuch Schule ohne Rassismus“. Inzwischen gibt es nun 5000 Schulen, die Mitglied sind.
Alle „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“ haben eine Patin oder einen Paten, oft sogar mehrere. Diese unterstützen sie in ihrem Engagement. Meist sind es Personen des öffentlichen Lebens. Für die Geschwister-Scholl-Schule sind das die Opernsängerin Mandy Fredrich, selbst in der Region aufgewachsen und Fabian Wiede, Handballspieler bei den Füchsen Berlin. Er stammt aus Bad Belzig und die Patenschaft war für ihn eine Herzensangelegenheit, wie er in einer Videobotschaft mitteilte. Leider konnte er aufgrund einer Verletzung nicht selbst dabei sein. Dafür stellten sich Mandy Fredrich und auch Dietmar Woidke den Fragen der Kinder.
Mandy Fredrich hat keinen Moment gezögert, als die Anfrage zur Patenschaft kam. Da sie viel unterwegs ist, arbeitet sie mit Menschen aus verschiedenen Nationen zusammen und empfindet das als Bereicherung. „Oftmals bin ich die Fremde“, sagt sie.
Ganz persönlich wurde auch der Ministerpräsident. Auf die Frage, was ihn persönlich am Rassismus stört, antwortete er spontan: „Weil er dumm ist.“ Selbst er hat schon Rassismus erlebt. Bei der Einschulung seiner Tochter waren auch türkische Kinder mit dabei. Woidke erlebte offene Ausgrenzung, auch bei den Eltern. Er ist froh, dass es damals gelungen ist, Verständnis zu wecken. Deshalb wird er mit der Landesregierung auch weiterhin solche Projekte unterstützen. „Aber es wird ein Kampf bleiben“, so Dietmar Woidke.
Höhepunkt war natürlich die Überreichung der Urkunde und des Schildes zur Anbringung am Schuleingang. Zusätzlich gab es eine Bank, bei der ein Sitzbereich fehlte, genau unter dem Schriftzug „Kein Platz für Rassismus“. Mandy Fredrich begeisterte mit einer Arie aus einer Oper von Dvorak. Und so ist es nicht nur ein Schild, was zukünftig an der Schule hängt. Die Kinder leben das Motto. Bei einer Umfrage haben sich 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler für eine Schule ohne Rassismus ausgesprochen. Nun wollen sie die restlichen 20 Prozent auch noch überzeugen. Für die Gäste hatten die Kinder Sterne gebastelt und ihre Wünsche darauf geschrieben.





