Gefahr für Igel durch Osterfeuer und Mähroboter
Die Igelritter aus dem Landkreis Havelland werben für Rücksichtnahme auf die kleinen Stacheltiere – bei Osterfeuern und dem Einsatz von Mährobotern. Denn es sind oft schlimmste Verletzungen, die Igel erleiden und die Helfer ertragen müssen. Bilder, die nicht vergessen werden. Christina Hanschke ist Vereinsvorsitzende der „Igelritter Havelland“. Der Verein kümmert sich um verletzte, unterernährte, unterkühlte oder hilfsbedürftige Igel.
Gefahren für die kleinen Stacheltiere gibt es viele, eine möchte der Landkreis Havelland nun reduzieren und wendet sich mit der Bitte um Rücksichtnahme an die Bürger. Es geht dabei um den Einsatz von Mährobotern. Die autonomen Rasenmäher schneiden mit ihren scharfen Messern nicht nur Gras, sondern auch anderweitige Hindernisse.
Besonders betroffen sind nachtaktive Tiere, wie eben auch Igel. Deshalb bittet der Landkreis die Besitzer solcher Geräte, diese nur bei Tageslicht zu nutzen. Und: „Vor dem Mähen empfiehlt sich zudem ein kurzer Blick in hohe Grasbereiche, unübersichtliche Ecken und Randstreifen. Auch eine naturnahe Gartengestaltung mit Rückzugsräumen, etwa durch Hecken, dichte Bodendecker, Laubhaufen, Totholzhaufen oder andere Unterschlupfmöglichkeiten, trägt zum Schutz der Tiere bei.“
„Eine Initiative, die ich sehr unterstütze“, sagt der Landtagsabgeordnete Johannes Funke (SPD) und hat die Bitte des Landkreises auch auf seine Homepage gesetzt.
Über diese Unterstützung freut sich Hanschke sehr, auch wenn sie selbst gern weiter gehen würde. Sie plädiert für ein Nachtfahrverbot für Mähroboter, so wie es zum Beispiel 2025 in Bayreuth oder Juni 2025 in Chemnitz, eingeführt wurde. Und sie appelliert an Nutzer, die Geräte nie unbeaufsichtigt fahren zu lassen.
Den Tieren mehr Raum geben
Jetzt im Frühjahr wuseln bereits die ersten Mähroboter durch die Gärten. Ebenfalls große Sorge bereitet Hanschke gerade der Ordnungssinn mancher Gartenbesitzer. Die ersten Sonnenstrahlen wärmen schon ordentlich, dennoch liegen viele Tiere, auch Igel, noch im Winterschlaf. Das Problem sind eigentlich gleich zwei, die Igel selbst werden gestört, wie auch ihr bevorzugtes Futter, Käfer und Larven.
„Anders als viele Leute glauben, gehören Schnecken und Würmer nicht zu den bevorzugten Speisen der Igel. Nur in allergrößter Not werden sie gefressen“, sagt sie. Werden abgeblühte Pflanzen, Laub, vertrocknete Äste zu früh entfernt, verschwindet eine wichtige Futterquelle, denn darin überwintern viele Insekten oder deren Nachwuchs. Das Ergebnis: „Sehr viele Igel wachen halb verhungert aus dem Winterschlaf auf“, so Hanschke. Und finden im aufgeräumten Garten keine Nahrung. Noch schlimmer sind dann nur noch die Steingärten, sagt sie.
Kein Osterfeuer ohne Umschichten
Eine weitere große Gefahr kommt ganz aktuell auf die winterschlafenden Tiere zu. Osterfeuer, und nein, es muss nicht auf die Tradition verzichtet werden. Doch wenn das Osterfeuer keine Todesfalle werden soll, dann sollte der Haufen mit Brennholz, Totholz und Laub am Vormittag des geplanten Feuers noch einmal umgeschichtet werden, rät Hanschke. Dann verstecken sich über Nacht keine weiteren Tiere darin.
„Das Umschichten sollte ohne spitze Werkzeuge von Hand erfolgen“, erklärt die Igelexpertin weiter. Im Moment schauen sie und ihre Vereinskollegen nach den Hinweisen zu Osterfeuern und informieren die Initiatoren über die Gefahr für die Igel. „Die sind dann immer sehr dankbar“, sagt Hanschke.
Igel gefunden und nun?
Sollte ein hilfsbedürftiger Igel entdeckt werden, dann das Tier zuallererst in einem ausreichend großen Pappkarton sichern. „Es geht auch eine Wäschewanne, nur bitte keine Körbe. Die Tiere können sich an den Streben verletzen“, erklärt Hanschke. Dann die Igelhilfe, gern auch die Igelritter Havelland anrufen. Gemeinsam kann man klären, ob das Tier Hilfe braucht.
Hilfreich kann auch das Wiegen des Tieres sein. Dann können die Igelhelfer besser entscheiden, ob hier Hilfe notwendig ist. „Bitte nicht füttern, Igel haben bestimmte Ansprüche an ihr Futter und halb verhungerte Tiere benötigen einen langsamen Futteraufbau. Wasser kann gegeben werden und gern auch lauwarmer Fencheltee. Die Tiere brauchen Wärme, eine in ein Handtuch gewickelte Wärmflasche kann mit in die Kiste gelegt werden. Allerdings immer so, dass der Igel sich gut von ihr entfernen kann, wenn es ihm zu warm wird“, rät Hanschke.
Sollte der Igel eine Pflegestation brauchen, dann gibt der Verein gern Auskunft, wohin der Igel gebracht werden kann. Hanschke bittet: „Wir können die Tiere nur in absoluten Ausnahmefällen abholen. Wir müssen und primär um unsere Pflegeigel kümmern.“
Der Verein „Igelritter Havelland“ hat rund 40 Mitglieder. Nicht alle nehmen Igel auf, etwa ein Viertel von ihnen unterhält eine Pflegestelle. Aktuell befinden sich in diesen rund 100 winterschlafende Igel. 36 Igel sind krank und pflegebedürftig und werden aufgepäppelt. Am Ende der Genesung werden die Tiere wieder ausgewildert. „Doch leider schaffen es nicht alle Tiere. Wir geben wirklich alles und es bricht uns jedes Mal das Herz, wenn ein Igel es nicht schafft“, sagt Hanschke.
Wer sich im Verein engagieren oder den Verein finanziell unterstützen möchte, hier gibt es online auf https://igelritter.de/ weitere Informationen.





