Gearbeitet in Rathenow – Familie in Falkensee: Warum ein SED-Mann bei Schönwalde nach Westberlin flüchten wollte
Der Mauerbau in Berlin jährt sich am 13. August 2026 zum 65. Mal. Nicht wenige DDR-Bürger trauerten den Momenten hinterher, in denen sie noch die Seiten hätten wechseln können.
Der Fluchtversuch eines politisch hochrangigen Havelländers, der rund sieben Jahre nach Grenzbau in den Westen Berlins flüchten wollte, ist gut dokumentiert. Der Mann war zuletzt in Rathenow tätig. Unklar was aus ihm wurde bzw. wie es ihm später erging.
BRAWO gibt hier sinngemäß wieder, was das Bundesarchiv unter der Überschrift „Verhinderter Grenzdurchbruch eines Instrukteurs des Rates des Kreises“ veröffentlicht hat. Als Quelle des Dokuments vom 27. Juni 1968 wird das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) angegeben. Der Grenzdurchbruch war am 22. Juni des Jahres verhindert worden.
Der Name des Mannes ist hier nicht ersichtlich. Er war 1925 in Falkensee geboren worden und wurde 1946 zum Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Seit Februar 1968 war er beim Rat des Kreises Rathenow beschäftigt.
„Da ihm bisher noch keine Wohnung zugewiesen werden konnte, wohnte er zur Untermiete und fuhr lediglich an den Wochenenden zu seiner Familie nach Falkensee“, wie es wörtlich heißt. Aufgrund seiner Wohnverhältnisse sei er verärgert gewesen und hätte immer häufiger übermäßig Alkohol zu sich genommen, „sodass von seinen Dienstvorgesetzten wiederholt Aussprachen mit ihm geführt werden mussten. In der Familie gab es deswegen ebenfalls wiederholt Auseinandersetzungen.“
Während seiner Heimfahrt am 21. Juni 1968 soll er in angetrunkenem Zustand den Entschluss gefasst haben, die DDR illegal zu verlassen, „um den ständigen Ehezwistigkeiten zu entgehen. Da es nach seiner Heimkehr aufgrund seines angetrunkenen Zustandes erneut zu Auseinandersetzungen mit seiner Ehefrau kam, entschloss er sich, sein Vorhaben noch am gleichen Abend zu verwirklichen.“
Zu diesem Zweck soll der Instrukteur mit dem Linienbus nach Schönwalde gefahren sein, wo er von 1966 bis 1967 als Ortsparteisekretär der SED tätig war: „Aufgrund dieser Tätigkeit waren ihm der Grenzverlauf und die Grenzsicherungsanlagen im Abschnitt Schönwalde bekannt.“
In der Gaststätte in Schönwalde habe er nochmals alkoholische Getränke zu sich genommen: „Gegen 23.50 Uhr verließ er die Gaststätte und begab sich in das unmittelbare Grenzgebiet. Nachdem er bereits die Vorsperren der Grenzsicherungsanlagen überwunden hatte, wurde er am 22.6.1968, gegen 3.30 Uhr, von den im Abschnitt Schönwalde eingesetzten NVA-Grenzposten beim Versuch des Grenzdurchbruchs nach Westberlin festgenommen.“
Der Festgenommene war laut Dokument von 1955 bis 1962 als Zollsekretär im Grenzzollamt Staaken eingesetzt. Anschließend war er bis 1966 Mitarbeiter der SED-Kreisleitung Nauen, Abteilung Sicherheit. Danach war er bis 1967 als Ortsparteisekretär in Schönwalde tätig und ab Anfang 1968 Mitglied des Stabes der Zivilverteidigung des Kreises Rathenow.
Am Sonntag, 2. August 2006, wird im Rathenower Haveltorkino an den Mauerbau vor 65 Jahren erinnert. Bei freiem Eintritt läuft ab 10.00 Uhr das deutsch-deutsche Geschichtsdrama „3 1/2 Stunden“.





