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Sonntag, 11. Oktober 2026

Fachkräfteintegration im deutschen Handwerk​ – bundesweites Pilotprojekt FIT

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Shobozjon Rabbonov (li.) und Khurshidbek Tursunov beim Pressegespräch in Groß Kreutz (Havel). Foto: A. Linckus​

Dem deutschen Handwerk fehlen 2026 schätzungsweise 200.000 bis 250.000 Fachkräfte. Besonders betroffen sind das Elektro-, SHK- und Metallhandwerk.

Rund 70 Prozent der Betriebe suchen Personal mit der Folge, dass Aufträge zunehmend nicht mehr angenommen oder nur mit Verzögerung bearbeitet werden können. Deshalb wird nun versucht, neue Wege zu gehen.​

Seit vier Monaten arbeiten zwei Fachkräfte aus Usbekistan bei der HTB Haustechnik GmbH in Brandenburg an der Havel. Khurshidbek Tursunov (29) und Shobozjon Rabbonov (31) wurden über das bundesweite Pilotprojekt „Future International Talents (FIT) for German Climate Businesses“ vermittelt, an dem die Handwerkskammer Potsdam (Hwk) als Pilotpartner beteiligt ist. Die Erfahrungen der ersten Monate zeigen, was Fachkräfteeinwanderung im Handwerk konkret bedeutet: viel Potenzial, aber auch hohen Aufwand für alle Beteiligten.

Bei einem Pressegespräch im Bildungs- und Innovationscampus Handwerk (BIH) in Groß Kreutz (Havel) berichteten Vertreter aus Handwerk, Verbänden, Bundesagentur für Arbeit, Ministerium und Projektpraxis über den Stand des Projekts. Im Zentrum stand eine klare Erkenntnis: Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt für beruflich qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten seit März 2020 erleichtert. Zwischen gesetzlicher Öffnung und betrieblichem Alltag liegen jedoch nach wie vor viele Hürden.

Besonders deutlich wurde die Rolle der Sprache. Sprachzertifikate allein reichen in der Praxis häufig nicht aus, um Fachkräfte sicher in komplexe betriebliche Abläufe einzubinden. Gerade im SHK-Handwerk kommt es auf präzise Verständigung an: Fachsprache, Sicherheitsanforderungen, eingespielte Abläufe auf der Baustelle und im Kundenkontakt. Unterschiedliche Sprachniveaus und fehlende berufsspezifische Sprachpraxis erhöhen den Einarbeitungs- und Betreuungsaufwand in den Betrieben erheblich. Und auch wenn Einreise, Arbeitsaufnahme und erste Integration gelingen, bleiben zahlreiche praktische Fragen, die zusätzlich Zeit, Geld und Organisation erfordern. Tursunov und Rabbonov durchlaufen derzeit praxisorientierte Qualifizierungsmaßnahmen.

Im Zuge der Gleichwertigkeitsprüfung wurden Unterschiede zu den deutschen Referenzberufen festgestellt. In gezielten Praxisphasen im Betrieb arbeiten sie fehlende Kenntnisse in einzelnen Arbeitsbereichen nach. Ziel ist die volle Gleichwertigkeit mit den deutschen Ausbildungsberufen und die weitere Beschäftigung als vollwertige Fachkraft.​

Hinzu kommen alltagsrelevante Herausforderungen wie bei der Nutzung und Umschreibung von Führerscheinen, Wohnungssuche in einem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt, Behördengänge von Anmeldung, über Krankenkasse bis zur Übersetzung von Dokumenten. Für Handwerksbetriebe, in denen Mobilität häufig Voraussetzung für den Arbeitseinsatz ist, entstehen daraus zusätzliche, auch kostenintensive Begleitungen, die bislang bei den Unternehmen hängenbleiben.

Dierk Lause, Unternehmensgründer und geschäftsführender Gesellschafter der HTB Haustechnik GmbH machte im Rahmen des Gesprächs deutlich: „Der Druck, qualifizierte Fachkräfte zu fnden, ist groß. Für uns als Betrieb ist das Projekt eine echte Chance, weil wir Fachkräfte brauchen und gleichzeitig in der Praxis lernen, was für gelingende Integration tatsächlich erforderlich ist. Wir sehen aber auch sehr deutlich, wie hoch der Aufwand im Alltag ist. Es geht nicht nur um Arbeit, sondern um Sprache, Einarbeitung, Mobilität, Behördenwege und das gesamte Ankommen. Gerade in einem Handwerksbetrieb zeigt sich sehr schnell, dass Integration Zeit, Struktur und Verlässlichkeit braucht. Genau diese Erfahrungen müssen ernst genommen werden, wenn Fachkräfteeinwanderung in der Breite funktionieren soll.“

Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und der Unternehmerverbände des Deutschen Handwerks, betonte: „Für das Handwerk mit seinen kleinbetrieblichen Strukturen sind Unterstützungsstrukturen in doppelter Hinsicht von zentraler Bedeutung: Nicht nur, um Betriebe in der gesamten Vorbereitung und Durchführung der Zuwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten zu begleiten. Ebenso sind sie zusammen mit dem aufnehmenden Betrieb unerlässlich für das Ankommen und die Zufriedenheit der Zuwanderer in ihrer neuen Umgebung. Diesem Aspekt der Zuwanderung sollte zukünftig noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, damit sich die ausländischen Fachkräfte dauerhaft im Handwerk und in ihrer neuen Umgebung in Deutschland wohlfühlen.“

Derzeit bereiten sich zwei weitere Fachkräfte aus Usbekistan auf ihre Einreise nach Westbrandenburg vor. Sie streben eine Anerkennung als Kraftfahrzeugmechatroniker und als Anlagenmechaniker SHK an. Sie werden bei Handwerksbetrieben in Brück und Neuruppin arbeiten. Darüber hinaus wurde bereits ein Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik aus Kolumbien an die HTB Haustechnik Brandenburg GmbH vermittelt. Er wird gegen Ende des Jahres in Brandenburg erwartet.

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