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Donnerstag, 16. April 2026

Denkmale gerettet – Geschichte bewahrt

Dorfkirche in Dahnsdorf
Die Dorfkirche Dahnsdorf ist eines von mehr als 40 brandenburgischen Denkmälern, die 2025 eine DSD-Förderung erhielten. Fotos: DSD

Im vergangenen Jahr erfreuten sich über 40 Denkmale der Hilfe durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD). Private Spenden, die Erträge der DSD-Treuhandstiftungen und die der Lotterie GlücksSpirale, dazu Nachlässe und Geldauflagen ermöglichten der privaten Denkmalschutzstiftung allein in Brandenburg, neben Beratung, Begleitung und Besichtigung der Objekte auch über 1,6 Millionen Euro in Förderverträge zu binden. Bundesweit unterstützte die DSD im vergangenen Jahr über 610 Objekte mit rund 34,9 Millionen Euro.

Zu den Förderprojekten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz 2025 in Brandenburg gehört beispielsweise die Dorfkirche von Dahnsdorf. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz begründet: „Die Kirche ist ein typisch romanischer Kirchenbau. Saalbau, Chor und Apsis sind noch ebenso im Original erhalten wie der mächtige Querturm. Mit seinen zehn Metern nimmt der wuchtige Baukörper die gesamte Breite der aus Feldsteinquadern errichteten Kirche ein. Man fühlt sich mitunter an eine Trutzburg oder Wehrkirche erinnert. Doch der wehrhafte Schein trügt. Das Mauerwerk des knapp 22 Meter hohen Feldsteinturms ist mit der Zeit extrem porös geworden, ein schützender Bauzaun musste angebracht werden. Um die für die historische Entwicklung Dahnsdorf bedeutende Kirche zu retten, war eine Restaurierung dringend notwendig.

Der romanische Kirchenbau wurde in einem Guss konzipiert, auch wenn die einzelnen Teile versetzt erbaut wurden, wie man an den Baunähten an Saalbau und Chor ablesen kann. Dendrochronologische Untersuchungen an den Eichenhölzern des Dachstuhls ergaben eine Fertigstellung etwa im vierten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts. Noch während der Bauarbeiten kam es zum historisch prägendsten Ereignis für die Kirche. Vermutlich aufgrund ihrer imposanten Erscheinung erschien sie dem Grafen von Belzig wohl würdig genug, um sie mit einigen Hektar Land dem Deutschen Orden zu überlassen. Dieser baute dort ab 1229 eine Komturei (auch Kommende) auf, eine kleinere Verwaltungseinheit des Ordens, im heutigen Brandenburg ist dies die einzige.

Im Laufe der Zeit wuchs dieser Besitz weiter und Dahnsdorf wurde zu einem Wirtschaftshof, der die Aktivitäten des Deutschen Ordens finanzierte. Diese erstreckten sich vor allem auf Ostpreußen und das Baltikum, wo der Ritterorden mit Schwert und Pflug einen Ordensstaat errichtete. In den rund 550 Jahren, in denen der Orden in Dahnsdorf verwurzelt war, diente die Liegenschaft hier jedoch wesentlich friedlicheren Zwecken und wurde als Priesterkommende genutzt.
Noch heute sind im Kircheninnern einige kostbare Ausstattungsstücke zu finden. Doch darf man sich vom heutigen, schlichten romanischen Erscheinungsbild der Kirche nicht täuschen lassen. 1963 wurde das Gotteshaus im Zeitgeist der DDR entkernt, die Empore auf der Nordseite und große Teile des Kastengestühls herausgerissen und alles weiß übertüncht. Dabei ging auch die historisierende Innenausmalung von 1904 verloren.

Bereits im 19. Jahrhundert wurden die kleinen mittelalterlichen Fenster auf der Südseite der Kirche vergrößert, um mehr Sonne zum Lesen der Gesangbücher hineinzulassen. Da auf der Nordseite nicht viel Licht gewonnen werden konnte, beließ man die Fenster dort in ihrem Originalzustand. Der Altar blieb von diesen Maßnahmen verschont, wurde jedoch später Opfer zweier Raubzüge. Seitdem sind die seitlichen Podeste leer, auf denen zwei geschnitzte Engel standen. Die Originale der vier Medaillongemälde wurden ebenfalls entwendet und konnten nur durch Kopien ersetzt werden. In den 1970er und 80er-Jahren wurde das Satteldach ausgebessert. Man verwendete hierzu Betondachsteine aus DDR-Produktion, welche die alten Biberschwanzziegel imitieren sollten. Noch bei der letzten Dacheindeckung nach der Wende wurden diese genutzt, allerdings zerfielen sie langsam, sodass jede Reparatur zur Sisyphusarbeit wurde. Außerdem hatte der Regen mit der Zeit die Farbe abgewaschen, die die Steine vor dem Eindringen von Feuchtigkeit schützte. Das Dach wirkte seitdem sowohl optisch als auch von der Wasserdichte der Ziegel wie ein Flickenteppich, obendrein zeigten die nicht denkmalgerechten Plastikregenrinnen Risse und Löcher.

Dies hatte zur Folge, dass der Sockelbereich der Kirche Feuchtigkeitsschäden aufwies. Auch im Dachbereich ließen sich diese nicht übersehen. Die Deckenbalkenköpfe im Traufbereich des Daches waren kaputt; allein schon deshalb alarmierend, da der Dachstuhl einer der wenigen erhaltenen hochmittelalterlichen Dachstühle in der Region überhaupt ist.

Wo bis Ende des 19. Jahrhunderts der Friedhof lag und bis in die 1950er Jahre prächtige Grabmonumente auch aus der Zeit des Deutschen Ordens existierten, ziehen sich heute die Zäune zweier Kleingärten bis an die Mauern des Kirchenbaus heran. Aufgrund der finanziellen Lage musste die Nordseite des Kirchhofs verpachtet werden und eine Gesamtsanierung des Gotteshauses konnte lange nicht angegangen werden. Trotz der finanziellen Notlage sollte die Kirche aber unter allen Umständen weiter als Gotteshaus, und in Zukunft auch als kultureller Ortsmittelpunkt mit Konzerten, Lesungen und ähnlichen Veranstaltungen genutzt werden. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz konnte bei der wichtigen Außensanierung unterstützen und so dazu beitragen, das mittelalterliche Kleinod südlich von Potsdam zu erhalten.“
Das Förderprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz umfasst private und öffentliche Denkmale, darunter Bürgerhäuser, Burgen, Kirchen, Klöster, Schlösser, technische Denkmäler, aber auch archäologische Grabungen und historische Grünanlagen. „Nur durch die tatkräftige Mithilfe vieler Mitbürger lassen sich diese Kunstschätze hiesiger Kulturlandschaft erhalten. Die Förderung durch die DSD versteht sich daher immer auch als Anerkennung des beispielhaften Bemühens der Denkmaleigentümer, Fördervereine, Kommunen und Gemeinden in ihrem Einsatz für den kulturellen Erinnerungsschatz, der uns allen Heimat bewahrt.“ Weitere Informationen und Beispiele finden Interessierte unter www.denkmalschutz.de.

In der Mitte ein in verschiedenen Blautönen besprühter Verteilerkasten, links und rechts davon kniet jeweils ein Mann. Der linke hat ein helles Hemd an, der recht trägt ein grau-blaues Jackett und einen runden Hut.

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