Bus-Fahrplanwechsel vom 1. Juni hängt Ortsteile und Orte in der Stadt Brandenburg und im Amt Wusterwitz nahezu komplett ab
Den Wohnplatz Roberdam, der zu Plaue und damit zur Stadt Brandenburg gehört, und die kleineren Ortschaften des Amtes Wusterwitz wie Woltersdorf, Bensdorf, Warchau, Viesen und Gollwitz eint seid 1. Juni ein gemeinsames Schicksal: Sie sind so gut wie vollständig vom öffentlichen Personennahverkehr abgeschnitten.
Mit der Fahrplanumstellung und der damit einhergehenden Beschleunigung der Buslinie 560 haben die etwa 100 Einwohner von Roberdam, das schulisch und infrastrukturell fest mit dem Amt Wusterwitz verbunden ist, ihren einzigen Busanschluss dorthin und in die Stadt Brandenburg komplett verloren. In Warchau, Gollwitz und Viesen klaffen unter der Woche riesige Löcher am helllichten Tag, in denen kein einziger Bus mehr fährt. Am Wochenende ist der Betrieb komplett eingestellt. Warchau, Viesen und Gollwitz sind zudem außerhalb der Schulzeiten vollständig von der Außenwelt isoliert. Und auch in Bensdorf und Woltersdorf ist die verlässliche ÖPNV-Struktur nicht mehr gegeben.
Betroffen von den Änderungen sind nicht nur Schüler, sondern insbesondere auch ältere Menschen, die kein Auto haben und auf die Busverbindung angewiesen sind, um zum Arzt, zur Apotheke, zum Einkaufen, zur Bank oder auch für kulturelle Veranstaltungen in die Stadt Brandenburg oder nach Wusterwitz zu kommen.
Gegen den geplanten Fahrplanwechsel regte sich nach dessen Bekanntwerden – am 20. April hatte die regiobus Potsdam Mittelmark GmbH zu einer Pressekonferenz auf die Burg Ziesar eingeladen und kurz darauf die neuen Fahrpläne auf ihrer Internetseite auch online gestellt – in den betroffenen Orten schnell Widerstand. In Wusterwitz gründete Initiatorin Peggy Hagen die „Bürgerallianz“, der sich die Roberdamer anschlossen, um gegen die Änderungen auf der Buslinie 560 zu protestieren.
Diese sprach am 20. Mai in der Sitzung der Wusterwitzer Gemeindevertreter im Rahmen der Einwohnerfragestunde vor, um ihr Anliegen zum Erhalt der Buslinie vorzutragen. Ihre Forderung: Der erhalt der Buslinie 560 in seiner bisherigen Form und eine grundlegende Überarbeitung, bis ein Ersatz- oder Ergänzungskonzept gefunden ist. Gemeinsam mit der Roberdamerin Mandy Seeger übergab sie zwei demenstprechende Petitionen und forderte die Gemeindevertreter auf, im Sinne der Betroffenen tätig zu werden.
Der Roberdamer Helmer Fenske nutzte die Einwohnerfragestunde der jüngsten Versammlung der havelstädtischen Stadtverordneten am 27. Mai, um noch einmal auf das Problem aufmerksam zu machen. Zehn Schulkinder seien vom Wegfall der Buslinie 560 betroffen und auch alle älteren Einwohner des Wohnplatzes, die kein Auto hätten. Die nächste Haltestelle sei einen Kilometer entfernt, für Senioren sei das nicht zu schaffen so seine Argumentation. Er forderte dazu auf, alle Beteiligten aus der Stadt und dem Landkreis an einen Tisch zu holen und eine verträgliche Lösung zu finden. In seiner Antwort zeigte Oberbürgermeister Daniel Keip Verständnis, machte aber auch klar, dass die stadteigenen Verkehrsbetriebe diese Lücke nach Wusterwitz nicht schließen werden. Er sicherte weitere Gespräche mit den Verkehrsbetrieben und der Verwaltung zu, um zu besprechen, was realistisch und finanzierbar sei.
Der 1. Juni kam und mit ihm der befürchtete Fahrplanwechsel. Knapp drei Wochen sind mittlerweile ins Land gegangen, für die Einwohner der betroffenen Orte hat sich nichts getan. Eltern müssen Taxifahrten für ihre Kinder übernehmen, Menschen ohne eigenes Auto sind auf die Hilfe ihrer Nachbarn angewiesen, müssen lange Wege, Zeiten und viele Umstiege in Kauf nehmen oder kommen nicht mehr weg. Eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht und die Lage könnte sich weiter zuspitzen. Denn mit dem Beginn der Sommerferien in zweieinhalb Wochen fallen zumindest für Viesen, Warchau und Gollwitz auch die letzten Busverbindungen weg.





