Arbeitslose in und um Rathenow: Fast drei Viertel erhalten Bürgergeld
Im Rathenower Bereich der Agentur für Arbeit ist die Zahl der Arbeitslosen gestiegen. Wie hoch ist hierbei der Anteil derer, die Geld vom Jobcenter erhalten?
Aktuell sind 2.896 Menschen in und um Rathenow arbeitslos. Die Quote stieg von 12 auf 12,3 Prozent. Allerdings drängt sich dieser Tage die Unterteilung in SGB-III- und SGB-II-Bezug auf, also in jene Erwerbsfähigen, die klassisches Arbeitslosengeld von der Agentur erhalten (III) und diejenigen, die sogenanntes Bürgergeld vom Jobcenter beziehen (II). Die Rathenower SGB-II-Quote unter den Arbeitslosen lag Ende Januar bei 73,1 Prozent.
Zum Vergleich: Kreisweit beläuft sich der aktuelle Wert auf 60,1 Prozent – im Nauener Geschäftsbereich der Agentur für Arbeit auf 50,1 Prozent. Von den gegenwärtig 6.664 Arbeitslosen im Landkreis Havelland werden 4.006 von den Jobcentern betreut und empfangen daher Bürgergeld.
Ende Januar 2025 waren es 3.728 unter den seinerzeit 6.095 Arbeitslosen. 2.009 Bürgergeldempfänger waren es in und um Rathenow. Jetzt sind es hier 2.117. Die hiesige SGB-II-Quote lag im Vorjahreszeitraum bei 74 Prozent und stieg im Laufe des Jahres mal auf mehr als 78 Prozent. Die Quote wird auch durch steigende oder sinkende Zahl von SGB-III-Leistungsbeziehern bedingt.
Für alle Erwerbsfähigen im SGB-II-Leistungsbezug jetzt wichtig: Im Laufe dieses Jahres dürfte das Bürger- in Grundsicherungsgeld umbenannt werden. Ferner soll es zu Regeländerungen kommen, wie zum Gesetzentwurf der Regierung auf www.bundestag.de erläutert wird. Dieser kann an der Stelle sogar im Wortlaut nachgelesen werden.
Im Entwurf steht allgemein: „Ein langfristig starker Sozialstaat braucht klare, durchsetzbare Regeln und die Mitwirkungsbereitschaft aller erwerbsfähigen Menschen. Er wird getragen vom gemeinsamen Verständnis, dass es gerecht zugeht und nur diejenigen Unterstützung erhalten, die diese wirklich benötigen. Daher ist das Verhältnis zwischen Unterstützung und Mitwirkung, zwischen Solidarität und Eigenverantwortung immer wieder zu überprüfen und neu auszubalancieren.“
Mitte Januar wurde der von CDU/CSU-SPD-Regierung vorgelegte Entwurf erstmals im Bundestag beraten. Es gab viel Kritik aus der Opposition. Die Linke wähnt „den größten Angriff auf den Sozialstaat, den es je gegeben hat“. Die Bündnisgrünen kritisieren, dass hier Druck auf die Beschäftigten ausgeübt werde, „jede noch so schlechte Arbeit anzunehmen oder zu behalten“. Der AfD als stärkster Oppositionskraft geht der Entwurf nicht weit genug. Es fehle das „klare Signal, dass dieser Staat sich nicht ausbeuten lässt“.





