An der Havel: Wo sich über 1.000-jährige Stadtgeschichte auf einen Ortsteil bezieht
Es gibt Orte, die wühlen so lange in der Geschichte, bis für irgendwas die früheste Erwähnung herausspringt. Je älter, desto besser für das Image.
So gesehen, könnte die Gemeinde Milower Land auf eine weit mehr als 800-jährige Geschichte zurückblicken. Denn der Ortsteil Milow wurde 1144 erstmals schriftlich erwähnt, was 2032 besten Grund zu einer 888-Jahr-feier liefern würde. Durch die Ersterwähnung von Mützlitz (1161) könnte die Gemeinde Nennhausen im Jahr 2049 ein solches Fest feiern, so wie die Gemeinde Märkisch Luch durch die ebenso 1161 erfolgten Ersterwähnungen von Garlitz und Buckow. Feste soll man bekanntlich feiern, wie sie fallen.
So verwegen es scheint, dass Ortsteile zum Partygrund für weit jüngere Gemeinden werden, zeigt doch in der Havelregion eine Stadt, wie das sehr wohl gelingen kann. Gemeint ist ausgerechnet Brandenburg an der Havel mit der Dominsel als sogenannte „Wiege der Mark“. 2007 wurde hier das 850-jährige brandenburgische Landesjubiläum groß gefeiert. Als Geburtsjahr der Mark gilt 1157. Derweil streckt die Kommune ihr Alter auf inzwischen 1.098 Jahre, könnte demnach 2039 ihre Ersterwähnung vor 1.111 Jahren begehen. Doch bei genauerem Hinsehen hat das einen geschichtlichen Haken.
Wer die historische Mitte dieser Havelstadt kennt, ist sicher schon mal über die Verbindung zwischen Alt- und Neustadt gelaufen. Hier ist von Jahrtausendbrücke die Rede. Gebaut wurde sie im Jubiläumsjahr 1929, obgleich die Brandenburger Ersterwähnung sehr wahrscheinlich schon für das Jahr 928 erfolgt war. Alt- und Neustadt gab es zu der Zeit noch lange nicht. Es bestand lediglich die schriftlich ersterwähnte Brandenburg auf der Havelinsel, wo erst ab 1165 der Dom gebaut wurde. Die Dominsel blieb sehr lange ein eigenständiger Ort, gehörte bis ins 20. Jahrhundert zum Kreis Westhavelland, während Brandenburg/Havel kreisfrei war. Zur Eingemeindung kam es im Jubeljahr 1929.
2026 verpasst ein westhavelländischer Ort seine 800-Jahr-Feier, weil ihn möglicherweise niemand auf dem Bildschirm hat(te). Gapel zwischen Pritzerbe und Döberitz wurde 1226 erstmals erwähnt. Seit 2003 gehört der Wohnplatz zu Premnitz, was das Alter der Stadt – gemessen am Brandenburger Beispiel – erheblich wachsen ließ. Die Stadt, die zuletzt ihr diesjähriges Uferfest feierte, hat eine besondere Beziehung zum Alter entwickelt.
2025 beging sie ihre 650 Jahre zurückliegende Ersterwähnung als Premnitz und könnte schon 2027 erneut groß feiern – 65 Jahre Stadt Premnitz. Denn das Stadtrecht gab es erst 1962, was 2022 zur 60-Jahr-Feier Anlass geboten hatte. Womöglich ist Gapel wegen seiner Winzigkeit an der Bundesstraße B 102 nicht in den kommunalen Party-Fokus gerutscht. Wie es vor 800 Jahren zur Ersterwähnung von Gapel kam, ist hier zu erfahren.





