Abgeschnitten und abgehängt – Bürgerallianz aus Wusterwitz und Plaue kämpft für den Erhalt der Buslinie 560 in seiner Kernstruktur
Der Protest der „Bürgerallianz“ gegen die geplanten Fahrplanänderungen der Buslinie 560 ab 1. Juni im Amt Wusterwitz (BRAWO berichtete) geht in die nächste Runde.
Am Mittwoch waren Vertreterinnen der Initiative in der jüngsten Sitzung der Wusterwitzer Gemeindevertreter zugegen und nutzten die Einwohnerfragestunde, um ihr Anliegen zum Erhalt der Buslinie vorzutragen.
Initiatorin Peggy Hagen schilderte den Gemeindevertretern eindringlich, was der Fahrplanwechsel in seiner bisherigen Form für viele Einwohner der kleineren Ortschaften des Amtes Wusterwitz wie Woltersdorf, Bensdorf, Warchau und Gollwitz bedeuten würde: „Ab dem 1. Juni rollt hier ein Kahlschlag im Nahverkehr auf uns zu. Die Linie 560 wird rücksichtslos beschleunigt. Uns wird die neue Linie 563 als Ersatz verkauft, aber die Wahrheit ist: Unter der Woche klafft am hellichten Tag eine siebenstündige Lücke zwischen 8 und 15 Uhr, in der kein einziger Bus mehr fährt. Am Wochenende wird der Betrieb komplett eingestellt. Warchau und Gollwitz werden außerhalb der Schulzeiten vollständig von der Außenwelt isoliert. Und auch in Bensdorf und Woltersdorf bricht die verlässliche Struktur unseres Alltags weg“, appellierte sie an das Gremium.
Der Verweis der Planer auf den Zug RE1 in Wusterwitz sei reine Theorie. Der Zug sei oft unpünktlich und für Senioren mit Rollator, mobilitätseingeschränkte Menschen und auch Eltern mit Kinderwagen sei das Umsteigen an den Schranken im Alltag nicht zumutbar. „Hier werden die Schwächsten in unseren Dörfern eiskalt abgehängt“, so der Vorwurf.
Dem Protest angeschlossen haben sich mittlerweile auch die Einwohner aus Roberdam. Das gehört zwar zu Plaue und damit zu Brandenburg an der Havel, wurde aber bisher von der regiobus Potsdam-Mittelmark GmbH ebenfalls mit der Buslinie 560 bedient, und ist schulisch und infrastrukturell fest mit dem Amt Wusterwitz verbunden. Fällt der Bus ab 1, Juni weg, sind viele der rund 100 Einwohner von Roberdam nicht mehr mobil.
Gemeinsam mit Peggy Hagen hat Roberdamerin Mandy Seeger deshalb zwei Petitionen an die Gemeindevertreter übergeben, um zu zeigen, wie groß der Ärger bei den Einwohnern der betroffenen Ortschaften ist, und um die Gemeindevertreter dazu aufzufordern, in ihrem Sinne tätig zu werden.
Dazu verteilten sie an dieses eine Resolution, die den Erhalt der Kernstruktur der Buslinie 560 für das Amt Wusterwitz und die umliegenden Regionen fordert, verbunden mit der Aufforderung diese zu unterzeichnen, um ein Zeichen zu setzen, und anschließend an Potsdam-Mittelmarks Landrat Marko Köhler weiterzugeben.
Damit soll der geplante Fahrplanwechsel in seiner bisherigen Form gestoppt und unter Bürgerbeteiligung noch einmal grundlegend überarbeitet werden, bis ein Ersatz- oder Ergänzungskonzept gefunden ist. Zudem soll das siebenstündige Taktloch zwischen 8 und 15 Uhr garantiert geschlossen werden, um Einkäufe, Arztbesuche und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu gewährleisten. Eine weitere Forderung ist die Wiederaufnahme des Linienbetriebes am Wochenende, um der Isolation des ländlichen Raums entgegenzuwirken.
Ob und wann die Resolution weitergeleitet wird, wollen die Unterstützer der „Bürgerallianz“ in den kommenden Tagen an den entsprechenden Stellen erfragen. An ein Aufgeben denken sie nicht.





