30 Jahre Diskussion um Freilichtbühne
In Ketzin/Havel wird einmal mehr über die Zukunft des Areals der Freilichtbühne gesprochen – mit ungewissem Ausgang. Viele Ketziner winken inzwischen ab. „Das wird sowieso nichts mehr“, ist nicht so selten zu hören. Gemeint ist die sinnvolle Neugestaltung der mitten in der Stadt gelegenen ehemaligen und für 3.500 Besucher zugelassen gewesenen Freilichtbühne. So mancher erinnert sich noch an die Auftritte der PUDHYS oder von Roy Black. Das ist lange Geschichte.
Seit fast genau 30 Jahren diskutieren die Ketziner Kommunalpolitiker über viele Wahlperioden Nutzungs-Varianten, aber nutzten Fördermöglichkeiten nicht. So ist bis heute – trotz Bürgerbefragung 2018/19 und 11.000 Euro bereits entstandener Kosten – fast nichts geschehen. Immer mit dem Verweis auf knappe Finanzen im Stadthaushalt oder dass es andere Prioritäten gäbe.
2018 wurden Nutzungsvorschläge erarbeitet, unter anderem Bau eines Hotels, eines Parks oder eines Spielplatzes, eine Privatisierung oder Minigolf. Zustimmung fand keine Variante. Deshalb gab es im Jahre 2019 den Arbeitskreis „Bewegte Stadt“ und eine von Mathias Meißner von der Stadtverwaltung allgemein als sehr akzeptabel bewertete Skizze mit Gestaltungsvorschlägen für die KUSS-Arena, was für Kultur, Sport und Spiel steht und bei der Bürgerbefragung mehrheitlich als Namensvorschlag befürwortet wurde.
Nur einige Beispiele aus Meißners Skizze: Seilrutsche, Roll- und Schlittschuhbahn, Kletterwand, verschiedenartige Sitzmöglichkeiten, Kletterpfad/Hängebrücke, Spiel- und Fitnessgeräte, Tunnelrutsche/kleiner Rodelberg und Sitzgelegenheiten für kleine, aber vielfältige Veranstaltungen. Mit viel Optimismus wurde im Juni 2020 mit der Einweihung der vielseitig sportlich nutzbaren Calisthenics-Anlage für 18.500 Euro begonnen. Seit dem ist auf der Fläche nichts geschehen, außer dass aus Sicherheitsgründen die 140 Bänke mit insgesamt 420 Sitzplätzen abgebaut werden mussten. 2023 wurde ein Fördermittelantrag bei der ILB eingereicht. Dieser ist abgelehnt worden. Allerdings hätte bei einer zugesagten Förderung das Projekt bereits 2024 fertiggestellt werden müssen.
Entstanden ist die ganze Situation gegen Ende der neunziger Jahre, seit aus Lärmschutzgründen die damals üblichen Veranstaltungen wie Sommerkino und Konzerte verschiedener Genres nicht mehr stattfinden durften. Nach Rücksprache der Stadt beim Landesumweltamt hätten dafür extra kostenintensive Lärmschutzwände in Richtung Bau- und Rathausstraße errichtet werden müssen.
Nun gibt es die Chance, die nach der Einwohnerbefragung schon vor Jahren gemachten Vorschläge endlich für die Einwohner und auch die Touristen zu realisieren. Die Lokale Aktionsgruppe Havelland gab grünes Licht: Das Vorhaben sei zu 75 Prozent der Kosten förderfähig. In Summe wären das um 279.000 Euro. Der Eigenanteil würde bei 93.000 Euro liegen.
Und wie reagieren die Kommunalpolitiker nach nunmehr 30 Jahren? Wie die ganze Zeit. Kein einhelliges Votum für einen Antrag auf Fördermittel und damit für eine Chance für die von den Einwohnern vorgeschlagene und gewünschte Nutzung des Areals im Stadtzentrum. Nicht im Kultur- und auch nicht im Finanzausschuss. Eine Chance bleibt noch. Im Hauptausschuss der Stadt steht das Thema am 16. Februar auf der Tagesordnung.
Wie steht Bürgermeisterin Katrin Mußhoff zum Vorhaben? Ihre Meinung im kürzlich stattgefundenen Kulturausschuss war eindeutig: „Fördermittel sind angesichts des aktuell riesigen Landesdefizits im Haushalt sehr wahrscheinlich nicht mehr unendlich lange zu bekommen, die Stadt darf sich auch nicht kaputt sparen und wir müssen bei aller Sparsamkeit auch für die Bürger interessante und gewünschte Projekte, wie die Neugestaltung der Freilichtbühne schaffen“, sagte sie.
Das letzte Wort, ob der Fördermittelantrag zurückgezogen oder aufrechterhalten werden soll, könnten die Stadtverordneten am 2. März haben. Noch stehen die Chancen für die o.g. Förderung gut. Vielleicht findet dann die dreißigjährige Diskussion in diesem Jahr doch noch einen allerseits akzeptierten Abschluss.
Text/Foto: Wolfgang Balzer





