250 Jahre „Der Kinderfreund“ – Das Jubiläum wird in Reckahn mit Ausstellung, Tagung und kommentierter Neuausgabe gefeiert
„Nur wer erwachsen ist und Kind bleibt, ist ein Mensch“ – Mit den Worten Erich Kästners unterstrich Prof. Dr. Jürgen Overhoff (Vorsitzender der Stiftung „Der Kinderfreund“) in seiner Eröffnungsrede den Wandel und die große Bedeutung von kindgerechter Literatur in den vergangenen Jahrhunderten.
Erst in der Epoche der Aufklärung haben sich erste Autoren gewagt, Texte aus Perspektiven des Kindes zu verfassen. So auch der brandenburgische Gutsherr Friedrich Eberhard von Rochow, welcher das Wissen in seinen Landschulen durch pädagogisch-moralische Kindergeschichten vermittelten ließ. Der Erfolg seines Lesebuchs „Der Kinderfreund“ (Teil I: 1776, Teil II: 1779) zeigte sich in der Verbreitung und Nutzung in ganz Europa.
Am 16. September wurde das Jubiläum des Bestsellers mit der Eröffnung der Sonderausstellung „250 Jahre Der Kinderfreund – Ein Lesebuchklassiker der Aufklärung“ im Rochow-Museum Reckahn gefeiert. Bis zum 13. Dezember 2026 zeigt die Ausstellung Sammlungsstücke und Leihgaben historischer Originalobjekte in verschiedenen Sprachen, Hörstationen zu ausgewählten Geschichten aus dem „Kinderfreund“, auch auf polnisch, französisch oder niederländisch sowie eine Kreativwerkstatt, in welcher fünf kooperative Schulprojekte ihre aktuelle Auseinandersetzung mit den historischen Lesestücken präsentieren. (Der Kinderfreund. Ein Klassiker der Bildungsgeschichte. Herausgegeben von Jürgen Overhoff und Frank Tosch, 322 S., 21 Abb., ISBN 978-3-8353-6115-7)
Neben der Vernissage wurde zudem Prof. Dr. Hanno Schmitt, ehemaliger Vorsitzender und Gründungsmitglied der Stiftung „Der Kinderfreund – Victoria D. v. Rochow-Litscher“ geehrt und ihm die Neuausgabe „Der Kinderfreund“ (2026) von den Herausgebern Prof. Dr. Jürgen Overhoff und Prof. Dr. Frank Tosch (Vorsitzender des Fördervereins Historisches Reckahn e.V.) überreicht. Die Jubiläumsausgabe wird mit Kommentaren zur historischen Vorlage sowie zwei Essays zur Biografie Friedrich Eberhard von Rochows und zur Wirkungsgeschichte des Lesebuches begleitet. Das im Wallstein-Verlag erschienene Buch ist mit Kupfern von Daniel Nikolaus Chodowiecki ausgestattet und kann in den Reckahner Museen erworben werden.
Die musikalische Untermalung des Abends übernahm Christian Grosch am Klavier.
Die Ausstellungseröffnung war auch Teil der Internationalen Tagung „250 Jahre Der Kinderfreund“, die am 16. und 17. September im Gästehaus der Rochow Akademie stattfand. Wissenschaftler aus Deutschland, Polen und Tschechien tauschten sich erstmals über nachgewiesene Raubdrucke, Bearbeitungen und Übersetzungen des Rochowschen „Kinderfreundes“ im europäischen und internationalen Raum aus. Die Tagung wurde in Kooperation der Universität Münster und der Ruhr Universität Bochum veranstaltet.
Die Sonderausstellung und die wissenschaftliche Tagung sind Teil des Förderprojekts „Ankerpunkt Reckahn“ und werden gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, des Landkreises Potsdam-Mittelmark und der Gemeinde Kloster Lehnin.
Die Sonderausstellung ist geöffnet von Dienstag bis Freitag von 10 bis 15 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11-17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Öffentliche Führungen im Oktober finden an folgenden Terminen statt:
Samstag, 3. Oktober, 15 Uhr: Öffentliche Führung
Samstag, 24. Oktober, 14 Uhr: Familienführung
Samstag, 31. Oktober, 14 Uhr: Öffentliche Führung





